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FRTB in der EU: Verschoben auf 2027 – aber nicht aufgehoben
Zweimal verschoben, im Juni 2026 bestätigt: Die FRTB-Eigenmittelanforderungen kommen zum 1. Januar 2027 – mit kapitalneutralen Übergangsregeln. Was bis dahin gilt und welche Datenstrecken jetzt schon laufen müssen.
Die FRTB-Eigenmittelanforderungen (Fundamental Review of the Trading Book, Marktrisiko-Rahmenwerk aus CRR III) gelten in der EU ab dem 1. Januar 2027 – nach zwei Verschiebungen per delegierter Verordnung (EU) 2024/2795 und (EU) 2025/1496. Am 4. Juni 2026 hat die EU-Kommission mit der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1221 diesen Termin bestätigt und zugleich befristete Anpassungen bis Ende 2029 beschlossen, darunter einen Multiplikator für Kapitalneutralität. Bis dahin gelten die bisherigen CRR-II-Marktrisikoregeln samt COREP-Templates fort; der FRTB-Standardansatz wird aber bereits heute für den Output Floor benötigt.
Stand: Oktober 2026 · Quellen: Del. VO (EU) 2026/1221 (EUR-Lex) · EU-Kommission, 08.06.2026
Die Verschiebungshistorie im Überblick
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19.06.2024
CRR III im Amtsblatt
Die Verordnung (EU) 2024/1623 sieht die FRTB-Eigenmittelanforderungen ursprünglich ab dem 1. Januar 2025 vor – zusammen mit dem übrigen Basel-IV-Paket.
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24.07.2024
Erste Verschiebung auf 1.1.2026
Delegierte Verordnung (EU) 2024/2795: Die Kommission nutzt die Ermächtigung aus Art. 461a CRR und verschiebt die FRTB-Anwendung um ein Jahr.
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12.06.2025
Zweite Verschiebung auf 1.1.2027
Delegierte Verordnung (EU) 2025/1496: erneute Verschiebung um ein Jahr – ausdrücklich zur Wahrung gleicher Wettbewerbsbedingungen, da insbesondere die USA und das Vereinigte Königreich ihre Basel-Umsetzung weiter verzögern.
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04.06.2026
Bestätigung 2027 + gezielte Anpassungen
Delegierte Verordnung (EU) 2026/1221: keine weitere Verschiebung mehr (Ermächtigung ausgeschöpft), stattdessen befristete Anpassungen bis zum 31. Dezember 2029 – Multiplikator für Kapitalneutralität, Erleichterungen bei P&L-Attribution- und Risk-Factor-Eligibility-Test, flexiblere CIU-Behandlung. Der Rechtsakt hat die Prüffrist von Parlament und Rat passiert und ist im Amtsblatt veröffentlicht.
Was bis 2027 gilt – und was nicht
Gilt weiter (bis 31.12.2026)
- Marktrisiko-Eigenmittelberechnung nach CRR in der Fassung vom 08.07.2024 (CRR-II-Standardansatz bzw. bisherige interne Modelle)
- Die bisherigen COREP-Marktrisiko-Templates (Templates 18–24 der DVO (EU) 2021/451, fortgeltend als Ausnahme im Rahmen der neuen Melde-ITS (EU) 2024/3117)
- EBA-No-Action-Letter (08/2024) zur neuen Handelsbuch-Abgrenzung: Durchsetzung nicht priorisiert – fortgeführt durch den No-Action-Letter vom 03.08.2026, der die Basel-2.5-Abgrenzung auch im Übergangszeitraum ab 01.01.2027 zulässt
Läuft trotzdem schon
- •Der FRTB-Standardansatz (ASA) für den Output Floor unter CRR III – die sensitivitätsbasierte Datenstrecke wird bereits heute gebraucht
- •Vorbereitung der Desk-Strukturen, P&L-Zeitreihen und Marktdaten für den Start 2027
- •Übrige CRR-III-Anforderungen (Kreditrisiko, OpRisk, Output Floor) – anwendbar seit 01.01.2025, siehe CRR III aus Datensicht
Die drei FRTB-Ansätze aus Datensicht
Vereinfachter Standardansatz (SSA)
Fortführung des bisherigen Standardansatzes mit aufsichtlichen Skalierungsfaktoren – nur für Institute, deren bilanzielles und außerbilanzielles marktrisikobehaftetes Geschäft sowohl 10 % der Gesamtaktiva als auch 500 Mio. Euro nicht überschreitet (Art. 325a CRR, monatliche Prüfung). Datenseitig die geringste Umstellung.
Alternativer Standardansatz (ASA)
Sensitivitätsbasierte Methode: Delta-, Vega- und Curvature-Sensitivitäten je Risikoklasse, ergänzt um Default Risk Charge und Residual Risk Add-on. Datenseitig der Knackpunkt für die Breite der Institute – Sensitivitäten müssen konsistent, granular und revisionssicher aus den Front-Office-Systemen kommen. Wegen des Output Floors ist diese Strecke schon heute produktiv zu betreiben.
Alternativer interner Modelle-Ansatz (AIMA)
Expected Shortfall statt Value-at-Risk, Genehmigung je Trading Desk, dazu Risk Factor Eligibility Test (nicht modellierbare Risikofaktoren erhalten einen Stress-Aufschlag), P&L-Attribution-Test und Backtesting. Datenseitig am anspruchsvollsten: tägliche P&L-Zeitreihen je Desk, Beobachtbarkeitsnachweise für Risikofaktoren („real price observations") und konsistente Marktdaten über Stressperioden. Die Anpassungen vom Juni 2026 entschärfen PLAT und RFET übergangsweise.
Unsere Einordnung
Die Verschiebungen haben Zeit gekauft, aber das Ziel nicht verändert – und mit der Bestätigung vom Juni 2026 ist die Hängepartie beendet. Bis zum Stichtag bleiben jetzt gut zwei Monate. Wer die ASA-Datenstrecke wegen des Output Floors ohnehin betreibt, sollte die verbleibende Zeit nutzen, um Desk-Strukturen, Sensitivitäten-Lieferungen und Meldeprozesse für den Echtbetrieb 2027 zu härten – inklusive der neuen COREP-Templates. Der EBA-No-Action-Letter vom August 2026 verschafft bei der Handelsbuch-Abgrenzung Luft, nicht bei den Datenstrecken selbst. Wie wir dabei unterstützen, zeigt unsere Meldewesen-Beratung.
Häufige Fragen zur FRTB-Verschiebung
Wird FRTB noch einmal verschoben?
Nein. Am 4. Juni 2026 hat die EU-Kommission mit der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1221 den Starttermin 1. Januar 2027 ausdrücklich bestätigt – statt einer weiteren Verschiebung gibt es gezielte, befristete Anpassungen bis zum 31. Dezember 2029. Die Ermächtigung zur Verschiebung (maximal zwei Jahre, Art. 461a CRR) ist damit ausgeschöpft, eine erneute Verschiebung auf diesem Weg rechtlich nicht mehr möglich. Der Rechtsakt hat die Prüffrist von Parlament und Rat passiert und ist im Amtsblatt veröffentlicht; der Termin steht damit fest.
Was gilt bis zum 1. Januar 2027 für das Marktrisiko?
Banken wenden weiterhin die Marktrisiko-Regeln der CRR in der Fassung vom 8. Juli 2024 an – also die Vor-FRTB-Welt aus CRR II (Standardansatz bzw. interne Modelle nach den bisherigen Artikeln). Das gilt ausdrücklich auch für die zugehörigen Melde- und Offenlegungspflichten: Die bestehenden COREP-Marktrisiko-Templates gelten bis zum FRTB-Start fort.
Müssen wir FRTB-Daten trotzdem schon rechnen?
Ja, in einem wichtigen Punkt: Der alternative Standardansatz (ASA) wird unter CRR III bereits für die Berechnung des Output Floor verwendet. Wer den Floor korrekt rechnen will, braucht die sensitivitätsbasierten FRTB-Datenstrecken also schon heute – unabhängig davon, dass die Eigenmittelanforderung selbst noch nach alter Welt ermittelt wird.
Was beinhalten die Anpassungen vom Juni 2026?
Kern ist ein Multiplikator, der die FRTB-Kapitalanforderungen für negativ betroffene Banken übergangsweise auf das bisherige Niveau herunterskaliert (Kapitalneutralität). Dazu kommen temporäre Erleichterungen beim P&L-Attribution-Test und beim Risk Factor Eligibility Test für interne Modelle, eine flexiblere Behandlung von Fondspositionen (CIUs) und ein Phase-in einzelner Standardansatz-Elemente. Banken, die den Multiplikator nutzen, wenden zudem bis 2029 die alte Handelsbuch-Abgrenzung an.
Ist Ihre Marktrisiko-Datenstrecke bereit für 2027?
Wir prüfen Sensitivitäten-Lieferungen, Desk-Datenhaushalt und COREP-Anbindung gegen die FRTB-Anforderungen – und bauen die Strecken, die zum Stichtag tragen müssen.
