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Einstellung der Millionenkreditmeldung zum 30.12.2026: Was jetzt noch zu tun ist
Nach Jahrzehnten endet die Millionenkreditmeldung nach § 14 KWG. Was nach Bürokratieabbau klingt, hat operative Konsequenzen – von der Meldestrecke bis zum Kreditprozess.
Die Millionenkreditmeldung nach § 14 KWG – die vierteljährliche Anzeige von Krediten ab 1 Million Euro an die Evidenzzentrale der Deutschen Bundesbank – wird im Zuge des Standortfördergesetzes zum 30.12.2026 eingestellt. Der reguläre letzte Meldestichtag war der 30. September 2026; bis zur Einstellung bleiben Korrekturlieferungen zu früheren Stichtagen möglich. Hintergrund ist die Redundanz zur granularen Kreditdatenmeldung AnaCredit, die die Aufsicht künftig als Datenquelle nutzt. Das europäische Großkreditregime nach der CRR und AnaCredit selbst bleiben unverändert bestehen.
Stand: Oktober 2026 · Quelle: § 14 KWG (gesetze-im-internet.de)
Worum es geht: das Millionenkreditmeldewesen
Das Millionenkreditmeldewesen gehört zu den ältesten Instrumenten der deutschen Bankenaufsicht – eingeführt mit dem ersten Kreditwesengesetz von 1934. Kreditinstitute und weitere meldepflichtige Unternehmen zeigen der Evidenzzentrale der Bundesbank vierteljährlich an, welche Kreditnehmer ein Kreditvolumen von 1 Million Euro oder mehr erreichen (§ 14 KWG). Die Bundesbank führt diese Anzeigen zusammen und meldet den Instituten zurück, wie hoch die Gesamtverschuldung gemeinsamer Kreditnehmer ist – ein Frühwarnsystem gegen unerkannte Klumpenrisiken.
Mit AnaCredit hat dieses System seit 2018 ein granulares Pendant auf europäischer Ebene erhalten: Kredite an juristische Personen werden dort bereits ab einem Schuldner-Gesamtengagement von 25.000 Euro einzeln gemeldet – deutlich unterhalb der Millionenkreditgrenze und mit erheblich mehr Attributen. Die Doppelmeldung weitgehend derselben Sachverhalte war seit Jahren ein zentraler Kritikpunkt der Branche.
Der Gesetzgeber zieht nun die Konsequenz: Im Rahmen des Standortfördergesetzes wird die Millionenkreditmeldung zum 30. Dezember 2026 eingestellt (Pressenotiz von Bundesbank und BaFin). Der reguläre letzte Meldestichtag war der 30. September 2026; bis zur Einstellung am 30. Dezember 2026 gelten die Meldepflichten – und damit die Korrekturfähigkeit zu früheren Stichtagen – unverändert fort. Die Folgeänderungen im bankaufsichtlichen Verordnungsrecht regelt ein BMF-Verordnungsentwurf vom 15. September 2026.
Was endet – und was bleibt
Endet zum 30.12.2026
- Millionenkreditanzeige nach § 14 KWG an die Evidenzzentrale
- Rückmeldungen der Bundesbank zur Gesamtverschuldung gemeinsamer Kreditnehmer
- Die zugehörigen Meldestrecken und Prozesse in den Instituten
Die To-do-Liste für die letzten Wochen
- 1. Korrekturfähigkeit bis zur Abschaltung erhalten: Der reguläre Meldestichtag 30. September 2026 ist abgelaufen. Bis zur Einstellung am 30. Dezember 2026 gelten die Meldepflichten aber unverändert weiter – Korrekturlieferungen zu früheren Stichtagen müssen also noch verarbeitet werden können. Die Meldestrecke darf erst danach stillgelegt werden.
- 2. Rückmeldedaten-Lücke bewerten: Wo fließen die Evidenzzentralen-Rückmeldungen heute in Kreditvergabe, Limitüberwachung oder Risikoklassifizierung ein? Für diese Prozesse braucht es einen Ersatz oder eine bewusste Entscheidung dagegen.
- 3. Decommissioning planen: Meldestrecke, Schnittstellen und Vorverarbeitungen geordnet stilllegen – mit revisionssicherer Archivierung der historischen Melde- und Rückmeldedaten.
- 4. Frei werdende Kapazität umlenken: Die Einstellung entlastet Fachbereich und IT – ein guter Zeitpunkt, die Kapazität in die IReF-Vorbereitung zu investieren, wo granulare Kreditdaten weiterhin gebraucht werden.
- 5. Folgeverordnung im Blick behalten: Das BMF hat am 15. September 2026 den Entwurf einer Verordnung zur Anpassung bankaufsichtlicher Vorschriften vorgelegt, die die Folgeänderungen nach dem Wegfall des Millionenkreditmeldewesens regelt. Wer Verweise auf § 14 KWG in internen Richtlinien, Arbeitsanweisungen oder Datenverträgen führt, sollte die finale Fassung abwarten und die Anpassungen gebündelt umsetzen.
Wie wir Banken im nationalen und europäischen Meldewesen unterstützen, zeigt unsere Meldewesen-Beratung.
Häufige Fragen zur Einstellung der Millionenkreditmeldung
Warum wird die Millionenkreditmeldung eingestellt?
Die Einstellung ist Teil des Standortfördergesetzes und dient dem Bürokratieabbau: Seit der Einführung von AnaCredit liefern Banken granulare Kreditdaten bereits auf Einzelkreditebene an die Bundesbank – die Millionenkreditmeldung nach § 14 KWG erfasst weitgehend redundante Informationen. Mit der Abschaffung entfällt eine doppelte Meldestrecke.
Betrifft die Einstellung auch die Großkreditmeldungen?
Nein. Das Großkreditregime nach der CRR (Obergrenzen und Meldungen für Risikopositionen ab 10 % des Kernkapitals, Art. 392 CRR) ist europäisches Recht und bleibt vollständig bestehen. Eingestellt wird nur die nationale Millionenkreditmeldung nach § 14 KWG. Auch AnaCredit läuft unverändert weiter – bis zur geplanten Ablösung durch IReF.
Was passiert mit den Rückmeldungen der Evidenzzentrale?
Mit der Millionenkreditmeldung entfallen auch die Rückmeldungen der Bundesbank über die Gesamtverschuldung gemeinsamer Kreditnehmer. Banken, die diese Informationen in Kreditvergabe- oder Überwachungsprozessen nutzen, sollten rechtzeitig prüfen, wie sie die Informationslücke schließen – etwa über externe Auskunfteien oder angepasste interne Verfahren.
Können wir die Millionenkredit-Meldestrecke einfach abschalten?
Nicht sofort. Neben dem letzten Meldetermin sind Aufbewahrungs- und Nachweispflichten zu beachten, und Rückfragen oder Korrekturen zu historischen Meldungen bleiben möglich. Empfehlenswert ist ein geordnetes Decommissioning: Meldestrecke und Schnittstellen stilllegen, Datenbestände revisionssicher archivieren und die frei werdenden Strecken-Komponenten dokumentiert zurückbauen.
Millionenkredit-Decommissioning oder IReF-Vorbereitung?
Wir begleiten beides: den geordneten Rückbau auslaufender Meldestrecken und den Aufbau der granularen Datenhaushalte, die das künftige Meldewesen verlangt.
