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CSRD & Omnibus für Banken: Was nach der Kurskorrektur wirklich gilt
Neue Schwellen, verschobene Wellen, vereinfachte Standards – und ein deutsches Umsetzungsgesetz, das immer noch fehlt. Der Stand für Banken als Berichtspflichtige und als Datennutzer.
Mit der Omnibus-I-Richtlinie (EU) 2026/470 (in Kraft seit 18. März 2026) bleiben nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Mio. Euro Nettoumsatz CSRD-berichtspflichtig. Für Banken wird der Nettoumsatz nach der Bankbilanzrichtlinie breit definiert (u.a. Zins-, Provisions- und Wertpapiererträge). Die „Stop-the-Clock"-Richtlinie (EU) 2025/794 hatte zuvor die Wellen 2 und 3 um zwei Jahre verschoben; die verbleibenden Unternehmen berichten spätestens ab Geschäftsjahr 2027 nach vereinfachten ESRS – diese liegen seit dem 21. September 2026 als Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563 vor und treten am 10. November 2026 in Kraft. Das deutsche CSRD-Umsetzungsgesetz steht weiter aus; maßgeblich ist die Umsetzungsfrist 19. März 2027.
Stand: Oktober 2026 · Quellen: RL (EU) 2026/470 (EUR-Lex) · RL (EU) 2025/794 (EUR-Lex) · Del. VO (EU) 2026/1563 (EUR-Lex)
Vier Rechtsakte, ein neues Regime
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16.04.2025
„Stop the Clock": Richtlinie (EU) 2025/794
Verschiebt die Erstanwendung für die Wellen 2 und 3 um jeweils zwei Jahre: Welle 2 berichtet erstmals über das Geschäftsjahr 2027, Welle 3 (u.a. kleine und nicht komplexe Kreditinstitute) über 2028. Welle 1 – die bisherigen NFRD-Anwender – blieb unberührt.
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26.02.2026
Omnibus I: Richtlinie (EU) 2026/470
Der Substanz-Teil, in Kraft seit 18.03.2026: Berichtspflichtig bleiben nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Mio. Euro Nettoumsatz – Schätzungen zufolge rund 90 Prozent weniger Anwender. Dazu kommen der Value-Chain-Cap (VSME-Grenze für Datenanfragen an kleinere Unternehmen) und die Streichung von Reasonable Assurance und Sektorstandards. Umsetzungsfrist für die Mitgliedstaaten: 19.03.2027.
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08.01.2026
EU-Taxonomie: Delegierte Verordnung (EU) 2026/73
Vereinfacht die Taxonomie-Berichterstattung separat vom Omnibus (delegierte Verordnung vom 4. Juli 2025, im Amtsblatt am 8. Januar 2026): rund 89 Prozent weniger Datenpunkte für Finanzunternehmen, eine 10-Prozent-Wesentlichkeitsschwelle, und der GAR-Nenner muss Gegenparteien außerhalb des CSRD-Anwendungsbereichs nicht mehr enthalten. Banken können detaillierte Taxonomie-Kennzahlen bis Ende 2027 per Erklärung im Lagebericht aussetzen.
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21.09.2026
Vereinfachte ESRS: Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563
Die Kommission hat die überarbeiteten ESRS am 3. Juli 2026 angenommen; am 21. September 2026 wurden sie gemeinsam mit dem Standard für die freiwillige Berichterstattung (Del. VO (EU) 2026/1560) im Amtsblatt veröffentlicht. In Kraft ab 10. November 2026, anzuwenden spätestens für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen. Die verpflichtenden Datenpunkte sinken um über 60 Prozent, die Gesamtzahl um über 70 Prozent; die Kommission erwartet mehr als 30 Prozent Kostenentlastung pro berichtendem Unternehmen.
Welche Banken bleiben berichtspflichtig?
Die neuen Schwellen gelten kumulativ und einheitlich – unabhängig von der Kapitalmarktorientierung, die als Kriterium entfallen ist. Für Banken steckt die Tücke in der Bemessungsgrundlage: Der „Nettoumsatz" eines Kreditinstituts ist nach Art. 43 Abs. 2 Buchst. c der Bankbilanzrichtlinie (86/635/EWG) die Summe aus Zinserträgen, Erträgen aus Wertpapieren, Provisionserträgen, dem Nettoertrag aus Finanzgeschäften und sonstigen betrieblichen Erträgen – wer nur Zins- und Provisionsergebnis ansetzt, rechnet sich fälschlich aus dem Scope heraus.
Praktisch heißt das: Landesbanken, große Geschäftsbanken und große Verbundinstitute bleiben in der Pflicht; viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken unterschreiten dagegen eine der beiden Schwellen und fallen heraus – und die frühere Welle 3 der kleinen und nicht komplexen Kreditinstitute entfällt als eigene Anwenderkategorie (erfasst bleibt nur, wer die allgemeinen Schwellen überschreitet). Wichtig: Der CSRD-Ausstieg entbindet nicht von den aufsichtlichen ESG-Risikomanagement-Anforderungen – die gelten unabhängig von der Berichtspflicht weiter.
Sonderfall Deutschland: Umsetzung weiter ausstehend
Deutschland hat sowohl die ursprüngliche CSRD-Umsetzungsfrist (Juli 2024) als auch die Stop-the-Clock-Frist (Ende 2025) verpasst. Der Regierungsentwurf vom September 2025 wurde im Bundestag um die Omnibus-Erleichterungen ergänzt (Änderungsantrag vom 31. März 2026, Anhörung im Rechtsausschuss am 13. April 2026) – seither ruht das Verfahren: Zweite und dritte Lesung haben nicht stattgefunden, und nach der Antwort der Bundesregierung vom 27. August 2026 liegt der weitere Zeitplan beim Parlament. Ein Verabschiedungstermin ist damit offen.
Der neue Fixpunkt für die Planung ist deshalb nicht mehr ein erwarteter Gesetzesbeschluss, sondern die Omnibus-Umsetzungsfrist 19. März 2027. Umstritten bleibt die im Änderungsantrag vorgesehene Rückwirkung auf das Geschäftsjahr 2025: Anwender und ihre Verbände halten sie für kaum praktikabel, weil die Berichterstattung für 2025 längst abgeschlossen ist.
Bis dahin gilt die alte Rechtslage: Große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Kreditinstitute und Versicherer mit mehr als 500 Mitarbeitern erstellen weiterhin die nichtfinanzielle Erklärung nach §§ 289b–289e HGB – ohne ESRS-Pflicht und ohne externe Prüfungspflicht nach CSRD-Regime. IDW und DRSC empfehlen, die ESRS freiwillig als anerkanntes Rahmenwerk zu nutzen, um den späteren Umstieg zu entschärfen.
Banken als Datennutzer: kleinere Datenbasis, gleiche Aufsicht
- 1. ESG-Datenanfragen am VSME ausrichten: Der Value-Chain-Cap begrenzt Anfragen an Kunden unter 1.000 Beschäftigten auf den Umfang des freiwilligen KMU-Standards (Kommissionsempfehlung (EU) 2025/1710) – inklusive Verweigerungsrecht der Kunden. Standardisierte VSME-konforme Fragebögen ersetzen individuelle Datenwünsche.
- 2. GAR-Berechnung anpassen: Die Taxonomie-DV (EU) 2026/73 nimmt Gegenparteien außerhalb des CSRD-Scopes aus dem GAR-Nenner – das entschärft das Problem wegfallender Taxonomie-Daten, erfordert aber eine saubere Kennzeichnung der Gegenparteien im Datenhaushalt (CSRD-pflichtig ja/nein).
- 3. Proxy-Strategie ausbauen: Rund 90 Prozent weniger berichtspflichtige Unternehmen bedeuten dauerhaft weniger ESRS-Primärdaten im Kreditbuch. Die Lücke zu den EBA-Anforderungen schließen dokumentierte Schätzungen und Proxies – mit Abbaupfad, wie ihn die EBA-Leitlinien erwarten.
- 4. Eigene Berichtsstrecke auf die vereinfachten ESRS umstellen: Der delegierte Rechtsakt liegt vor (Del. VO (EU) 2026/1563, in Kraft 10.11.2026) – das Datenpunkt-Mapping lässt sich jetzt gegen den finalen Text ziehen statt gegen Entwürfe. Wer im Scope bleibt, sollte die alte Set-1-Strecke nicht weiterpflegen, sondern auf die über 60 Prozent reduzierten Pflichtdatenpunkte migrieren – rechtzeitig vor dem ersten Pflichtgeschäftsjahr 2027.
Wie wir Nachhaltigkeits- und Finanzberichterstattung datenseitig zusammenführen, zeigt unsere Accounting-Beratung.
Häufige Fragen zu CSRD & Omnibus
Muss unsere Bank noch einen CSRD-Bericht erstellen?
Nur wenn beide neuen Schwellen überschritten sind: mehr als 1.000 Beschäftigte und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz. Wichtig für Banken: Der „Nettoumsatz" wird nach Art. 43 Abs. 2 Buchst. c der Bankbilanzrichtlinie 86/635/EWG als Summe aus Zinserträgen, Erträgen aus Wertpapieren, Provisionserträgen, dem Nettoertrag aus Finanzgeschäften und sonstigen betrieblichen Erträgen ermittelt – also deutlich breiter als nur Zins- plus Provisionsertrag. Die Kapitalmarktorientierung ist als Kriterium entfallen; kleine und nicht komplexe Kreditinstitute sind als eigene Anwenderkategorie weggefallen und nur noch erfasst, falls sie ausnahmsweise die allgemeinen Schwellen überschreiten.
Was gilt in Deutschland, solange das CSRD-Umsetzungsgesetz fehlt?
Deutschland hat die CSRD noch nicht in nationales Recht umgesetzt. Stand Oktober 2026 liegt kein Verabschiedungstermin vor: Zweite und dritte Lesung im Bundestag haben nicht stattgefunden, und nach der Antwort der Bundesregierung vom 27. August 2026 liegt der weitere Zeitplan beim Parlament. Maßgeblich ist jetzt die Omnibus-Umsetzungsfrist 19. März 2027. Bis zur Verkündung gelten die alten Regeln zur nichtfinanziellen Erklärung nach §§ 289b–289e bzw. 315b, 315c HGB – für große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie große Kreditinstitute und Versicherer mit mehr als 500 Mitarbeitern. Eine ESRS-Pflicht besteht bis dahin nicht; IDW und DRSC empfehlen aber, die ESRS freiwillig als Rahmenwerk zu nutzen.
Was ändert sich an den ESRS?
Die vereinfachten ESRS sind beschlossen: Nach der EFRAG-Übergabe im Dezember 2025 und der öffentlichen Konsultation im Mai 2026 hat die EU-Kommission den delegierten Rechtsakt am 3. Juli 2026 angenommen. Die Veröffentlichung im Amtsblatt erfolgte am 21. September 2026 als Delegierte Verordnung (EU) 2026/1563, zusammen mit dem Standard für die freiwillige Berichterstattung (Del. VO (EU) 2026/1560). In Kraft ab 10. November 2026, verpflichtend anzuwenden spätestens für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen; eine freiwillige frühere Anwendung für 2026 ist möglich. Die verpflichtenden Datenpunkte sinken um über 60 Prozent, die Gesamtzahl um über 70 Prozent. Sektorspezifische ESRS kommen nicht mehr, und es bleibt dauerhaft bei der Prüfung mit begrenzter Sicherheit (Limited Assurance) – die geplante Reasonable Assurance ist gestrichen.
Was bedeutet der Value-Chain-Cap für unsere Kundendatenprozesse?
Berichtspflichtige Unternehmen – auch Banken – dürfen von Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten keine Nachhaltigkeitsinformationen verlangen, die über den freiwilligen KMU-Standard VSME hinausgehen; die Unternehmen haben ein ausdrückliches Verweigerungsrecht. ESG-Datenanfragen an Mittelstandskunden sollten deshalb am VSME ausgerichtet und standardisiert werden. Die verbleibenden Lücken – etwa für die Anforderungen der EBA-Leitlinien zum ESG-Risikomanagement – müssen über dokumentierte Schätzungen und Proxies geschlossen werden.
CSRD-Scope geklärt – und jetzt die Datenstrecke?
Wir prüfen Ihre Berichtspflicht nach den neuen Schwellen, stellen das ESRS-Datenpunkt-Mapping um und bauen die VSME-konformen Kundendatenprozesse.
